Aufbau der Eröffnungsbilanz
Gegliedert wie jede Bilanz nach § 266 HGB – zum Eröffnungsstichtag.
Aktivseite
Passivseite
Gründungsfall
Bewertung nach § 253 HGB
Jahreswechsel
Anschlussfähigkeit
Warum eine Vorlage selten genügt
Die Eröffnungsbilanz ist der Anfang einer Kette – nicht ein isoliertes Dokument.
Individuelle Gründungswerte
Einlagen, Sacheinlagen und Gründungskosten sind je Gesellschaft verschieden – eine feste Vorlage bildet das nicht ab.
Korrekte Bewertung
Ansatz und Bewertung nach § 253 HGB entscheiden über die Startwerte; Fehler ziehen sich durch alle Folgejahre.
Übergang in den Abschluss
Die Werte müssen bruchlos in den ersten Jahresabschluss übergehen – am besten aus einer durchgängigen Datenbasis.
Von der Eröffnungsbilanz zum Jahresabschluss – durchgängig
Der erste Jahresabschluss ist gratis — Saldenliste hochladen und ansehen.
Gründungsbilanz oder Saldovortrag – was ist gemeint?
Der Begriff Eröffnungsbilanz meint zweierlei: die einmalige Bilanz zu Beginn des Handelsgewerbes und die Eröffnung jedes weiteren Geschäftsjahrs. Eigens aufgestellt wird nur die erste.
- Bei Gründung: Grundlage ist ein Inventar aller Vermögensgegenstände und Schulden (§ 240 Abs. 1 HGB); Ansatz, Gliederung und Bewertung folgen den Vorschriften für die Jahresbilanz (§ 242 Abs. 1 Satz 2 HGB). Eine GuV gehört nicht dazu. Die Eröffnungsbilanz ist zehn Jahre im Original aufzubewahren (§ 257 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 3 und 4 HGB).
- In den Folgejahren: keine neue Aufstellung und keine Neubewertung. Die Werte der Schlussbilanz werden Konto für Konto vorgetragen (§ 252 Abs. 1 Nr. 1 HGB).
- Beim Übergang zur Bilanzierung: Wer nach § 141 AO buchführungspflichtig wird, beginnt ebenfalls mit einer Eröffnungsbilanz; § 141 Abs. 1 Satz 2 AO verweist dafür auf § 242 Abs. 1 HGB.
Muster: Eröffnungsbilanz einer GmbH mit Bar- und Sacheinlage
Ausgangslage: Eine GmbH wird mit 50.000 € Stammkapital gegründet. Gesellschafterin A übernimmt einen Geschäftsanteil von 30.000 € gegen Bareinlage und zahlt davon 15.000 € ein. Gesellschafter B bringt für seinen Geschäftsanteil von 20.000 € eine Maschine mit einem Zeitwert von 20.000 € ein. Die übrigen 15.000 € der Bareinlage sind noch nicht eingefordert.
| Aktiva | € Aktiva | Passiva | € Passiva |
|---|---|---|---|
| A. II. Sachanlagen: Technische Anlagen und Maschinen | 20.000 | A. I. Gezeichnetes Kapital | 50.000 |
| B. IV. Guthaben bei Kreditinstituten | 15.000 | abzüglich nicht eingeforderter ausstehender Einlagen | −15.000 |
| Eingefordertes Kapital | 35.000 | ||
| Summe Aktiva | 35.000 | Summe Passiva | 35.000 |
A hat mehr als ein Viertel ihres Geschäftsanteils eingezahlt (§ 7 Abs. 2 Satz 1 GmbHG). Eingezahlte Geldeinlagen und Sacheinlage ergeben 35.000 € und damit mehr als die Hälfte des Mindeststammkapitals von 25.000 € (§ 7 Abs. 2 Satz 2, § 5 Abs. 1 GmbHG). Die Maschine muss vor der Anmeldung übergeben sein (§ 7 Abs. 3 GmbHG); Gegenstand und Nennbetrag stehen im Gesellschaftsvertrag, ihre Angemessenheit begründet ein Sachgründungsbericht (§ 5 Abs. 4 GmbHG). Ist die Maschine bei der Anmeldung weniger wert als 20.000 €, muss B die Differenz in Geld leisten (§ 9 GmbHG).
- Offene Einlage: Der nicht eingeforderte Teil wird vom gezeichneten Kapital offen abgesetzt, übrig bleibt das eingeforderte Kapital (§ 272 Abs. 1 HGB). Fordert die Gesellschaft später 5.000 € ein, die noch nicht gezahlt sind, sinkt der abgesetzte Betrag auf 10.000 €, und die 5.000 € stehen gesondert unter den Forderungen.
- Gründungskosten: Notar- und Registerkosten sind kein Aktivposten (§ 248 Abs. 1 Nr. 1 HGB); sie werden im ersten Geschäftsjahr als Aufwand erfasst.
- UG (haftungsbeschränkt): Das Stammkapital ist vor der Anmeldung voll einzuzahlen, Sacheinlagen sind ausgeschlossen (§ 5a Abs. 2 GmbHG). Die Eröffnungsbilanz zeigt dann meist nur ein Bankguthaben und das gezeichnete Kapital in gleicher Höhe. Mehr dazu: Stammkapital einzahlen.
Eröffnungsbuchungen: So werden die Konten eröffnet
Aus der Eröffnungsbilanz werden die Bestandskonten eröffnet. Für das Muster lauten die Buchungen (SKR03, in Klammern SKR04):
- Bareinlage: Soll 1200 Bank (1800) 15.000 € an Haben 0800 Gezeichnetes Kapital (2900) 15.000 €
- Sacheinlage: Soll 0210 Maschinen (0440) 20.000 € an Haben 0800 Gezeichnetes Kapital (2900) 20.000 €
- Nicht eingeforderter Rest: Soll 0820 Ausstehende Einlagen, nicht eingefordert (2910) 15.000 € an Haben 0800 Gezeichnetes Kapital (2900) 15.000 €
In den Folgejahren werden die Schlussbestände über das Konto 9000 Saldenvorträge, Sachkonten vorgetragen; für Kunden und Lieferanten dienen 9008 und 9009. Beispiel für den Vortrag zum 1. Januar 2027 aus der Schlussbilanz 2026:
- Bankguthaben 41.200 €: Soll 1200 (1800) an Haben 9000 41.200 €
- Bankdarlehen 18.000 €: Soll 9000 an Haben 0630 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten (3150) 18.000 €
- Jahresüberschuss 2026 von 9.400 €: Soll 9000 an Haben 0860 Gewinnvortrag vor Verwendung (2970) 9.400 €, bis die Gesellschafter über die Verwendung beschlossen haben
Nach dem vollständigen Vortrag steht das Konto 9000 auf null. Aufwands- und Ertragskonten erhalten keinen Vortrag; sie beginnen jedes Jahr bei null.
Bilanzidentität prüfen: typische Fehler beim Übergang
Die Wertansätze in der Eröffnungsbilanz eines Geschäftsjahrs müssen mit der Schlussbilanz des Vorjahrs übereinstimmen (§ 252 Abs. 1 Nr. 1 HGB) – für jedes einzelne Konto, nicht nur in der Summe.
- Vortrag zu früh erstellt: Kommen nach dem Vortrag noch Abschlussbuchungen für das Vorjahr hinzu, etwa Abschreibungen oder Rückstellungen, ist der Vortrag zu wiederholen.
- Ergebnis doppelt: Das Vorjahresergebnis steht im Gewinn- oder Verlustvortrag vor Verwendung – nicht zusätzlich als Jahresüberschuss des neuen Jahrs.
- Kontenrahmen- oder Softwarewechsel: Die Werte werden umgeschlüsselt, nicht neu ermittelt; die Summe der Vorträge bleibt gleich.
- Fehler im Vorjahr: Er wird nicht über die Eröffnungswerte bereinigt, sondern im laufenden Jahr gebucht oder durch eine Änderung des Vorjahresabschlusses korrigiert. Steuerlich gelten die Regeln der Bilanzberichtigung.
Weiterführende Seiten
Bilanz erstellen | GmbH/UG gründen | Bilanz Vorlage GmbH | Jahresabschluss Vorlage | Jahresabschluss