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Buchhaltung · § 13b UStG

Bauleistungen nach § 13b UStG buchen: wer die Umsatzsteuer schuldet

Beauftragt ein Bauunternehmen ein anderes, kehrt sich die Steuerschuldnerschaft um: Der Auftraggeber berechnet die Umsatzsteuer selbst, meldet sie an und zieht sie im selben Schritt als Vorsteuer ab. Die Rechnung kommt netto, ohne Steuerausweis. Entscheidend ist eine Zehn-Prozent-Grenze auf der Seite des Empfängers – und ein Wahlrecht gibt es nicht: Sind die Voraussetzungen erfüllt, ist das Verfahren zwingend anzuwenden.

Stand: 2026-10-18

Wann die Steuerschuld übergeht

Nach § 13b Abs. 2 Nr. 4 UStG schuldet der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer für bestimmte Bauleistungen, wenn er selbst nachhaltig im Baugewerbe tätig ist. Als nachhaltig gilt die Tätigkeit, sobald mindestens 10 Prozent seines Gesamtumsatzes auf Bauleistungen entfallen. Gemeint ist dabei der weltweite Umsatz, also die Summe der steuerbaren und der nicht steuerbaren Umsätze.

Ist diese Schwelle erreicht, gilt das für sämtliche Bauleistungen, die das Unternehmen von anderen Unternehmern bezieht – nicht nur für die, die in ein eigenes Bauprojekt einfließen. Den Nachweis führt die Bescheinigung USt 1 TG des Finanzamts. Eine Freistellungsbescheinigung nach § 48b EStG ist dafür kein Ersatz, sondern allenfalls ein Indiz.

Wer keine Bauleistungen erbringt – etwa eine Agentur, die ihre Büroräume umbauen lässt –, fällt nicht unter die Regelung. Dann rechnet der Handwerker ganz normal mit Umsatzsteuer ab.

Gebäudereinigungsleistungen folgen einem eigenen Tatbestand mit vergleichbarer Systematik, aber eigener Bescheinigung. Nicht unter die Bauleistungen fallen reine Materiallieferungen ohne Einbau sowie Leistungen an Betriebsvorrichtungen in bestimmten Konstellationen – hier lohnt die Prüfung im Einzelfall.

Die Konten in SKR03 und SKR04

  • Bezogene Bauleistung eines inländischen Unternehmers, 19 Prozent Vorsteuer und 19 Prozent Umsatzsteuer: SKR03 3120, SKR04 5920 – Aufwendungen für bezogene Leistungen.
  • Umsatzsteuer nach § 13b UStG 19 %: SKR03 1787, SKR04 3837.
  • Abziehbare Vorsteuer nach § 13b UStG 19 %: SKR03 1577, SKR04 1407.
  • Sammelkonten ohne Steuersatz: Umsatzsteuer SKR03 1785 beziehungsweise SKR04 3835, Vorsteuer SKR03 1578 beziehungsweise SKR04 1408.
  • Eigene Ausgangsleistung, für die der Empfänger die Steuer schuldet: SKR03 8337, SKR04 4337 – Umsatzerlöse.
  • Für Bauleistungen ohne Vorsteuerabzug stehen SKR03 3130 und 3140 beziehungsweise SKR04 5930 und 5940 bereit.

So wird gebucht

Als Auftraggeber

Der Nettobetrag geht auf das Aufwandskonto für bezogene Bauleistungen, die Gegenbuchung auf das Kreditorenkonto. Daneben stehen sich Umsatzsteuer nach § 13b UStG und abziehbare Vorsteuer nach § 13b UStG in gleicher Höhe gegenüber. Bei 35.000 Euro Nettorechnung sind das 6.650 Euro auf beiden Seiten; die Zahllast bleibt unverändert. Die Konten sind in beiden Kontenrahmen als Automatikkonten angelegt, sodass die Steuerbeträge aus dem Nettobetrag abgeleitet werden.

Als leistender Handwerker

Die eigene Leistung wird netto auf Erlöse aus Leistungen, für die der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer nach § 13b UStG schuldet gebucht (SKR03 8337, SKR04 4337). Die Rechnung darf keine Umsatzsteuer ausweisen, muss aber auf den Übergang der Steuerschuldnerschaft hinweisen. Ein trotzdem ausgewiesener Steuerbetrag wird geschuldet, bis die Rechnung berichtigt ist.

Vorsteuerabzug ohne Rechnungsprüfung

Beim Wechsel der Steuerschuldnerschaft hängt der Vorsteuerabzug nicht an einer formal ordnungsgemäßen Rechnung. Wer die Steuer schuldet und die Leistung für unternehmerische Zwecke einkauft, ist bei bestehender Abzugsberechtigung ohne weiteres zum Abzug befugt – ein Unterschied zum normalen Eingangsrechnungsfall.

Zweifelsfälle und Vertrauensschutz

  • Sind sich beide Seiten einig, das Verfahren anzuwenden, und stellt sich später heraus, dass die Voraussetzungen nicht vorlagen, bleibt der Leistungsempfänger Steuerschuldner – sofern dadurch kein Steuerausfall entsteht.
  • Diese Vertrauensschutzregelung ersetzt keine Prüfung: Sie greift erst, wenn beide Seiten übereinstimmend gehandelt haben.
  • Der Auftraggeber sollte seine Bescheinigung USt 1 TG dem Auftragnehmer vorlegen und beim Vorgang ablegen.
  • Bei Anzahlungen geht die Steuerschuld bereits mit der Anzahlung über; die Buchung erfolgt entsprechend im Zeitpunkt der Zahlung.
  • Bauabzugsteuer nach § 48 EStG ist ein eigenständiges Thema und läuft neben § 13b UStG – der Steuerabzug von 15 Prozent kann auch dann greifen, wenn umsatzsteuerlich nichts übergeht.

Was ist eine Bauleistung im Sinne des § 13b UStG?

In der Regel Bauleistung

Rohbau- und Abbrucharbeiten, Dach- und Fassadenarbeiten, Einbau von Fenstern und Türen, Elektro-, Heizungs- und Sanitärinstallation im Gebäude, Estrich- und Fliesenarbeiten sowie der Einbau einer fest mit dem Gebäude verbundenen Anlage.

Keine Bauleistung

Leistungen von Architekten, Statikern und Bauleitern als Planung und Überwachung, die reine Lieferung von Baustoffen ohne Einbau und die Lieferung beweglicher Einrichtungsgegenstände.

Reparatur und Wartung

Instandsetzung und Instandhaltung gehören grundsätzlich zu den Bauleistungen. Für kleine Reparatur- und Wartungsaufträge sieht die Verwaltung eine Bagatellgrenze vor; den aktuellen Betrag sollten Sie vor der Rechnungsstellung im Umsatzsteuer-Anwendungserlass nachsehen.

  • Die Bescheinigung über nachhaltige Bauleistungen gilt höchstens drei Jahre und kann nur mit Wirkung für die Zukunft widerrufen werden (§ 13b Abs. 5 Satz 2 UStG).
  • Ein Auftraggeber mit gültiger Bescheinigung schuldet die Steuer auch für Bauleistungen, die er für seinen nichtunternehmerischen Bereich bezieht (§ 13b Abs. 5 Satz 7 UStG).
  • Das gilt selbst dann, wenn seine eigenen Bauleistungen als Kleinunternehmer steuerfrei sind (§ 13b Abs. 5 Satz 9 UStG). Mangels Vorsteuerabzug wird die Steuer für ihn dann zur echten Kostenbelastung.

Unter § 13b Abs. 2 Nr. 4 UStG fallen Arbeiten an Bauwerken, mit denen diese hergestellt, instand gesetzt, instand gehalten, geändert oder beseitigt werden, auch in Form von Werklieferungen. Planungs- und Überwachungsleistungen sind ausdrücklich ausgenommen. Zum Grundstück zählen auch Maschinen und Ausstattung, die auf Dauer so eingebaut sind, dass sie sich nicht ohne Zerstörung oder Veränderung des Bauwerks entfernen lassen.

In welche Voranmeldung gehört die Steuer?

  • Beispiel: Ein Dachdecker beendet die Arbeiten am 18. März, seine Rechnung über 24.000 Euro netto kommt erst am 6. Mai. Die Steuer von 4.560 Euro entsteht mit Ablauf des 30. April und gehört in die Voranmeldung April, ebenso die gleich hohe Vorsteuer.
  • Wird die Rechnung bereits am 25. März ausgestellt, entsteht die Steuer im März.
  • Abschlagszahlungen vor Fertigstellung: Die Steuer entsteht mit Ablauf des Voranmeldungszeitraums, in dem gezahlt wird (§ 13b Abs. 4 Satz 2 UStG). Mit der Schlussrechnung ist nur noch der Teil zu versteuern, der nicht durch Abschläge gedeckt ist.
  • Die Vorsteuer nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 UStG wird im selben Zeitraum abgezogen. Eine ordnungsgemäße Rechnung ist dafür keine Voraussetzung; bei Abschlägen genügt die geleistete Zahlung.
  • Die Rechnung des Leistenden muss die Angabe „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers“ enthalten und weist keinen Steuerbetrag aus (§ 14a Abs. 5 UStG). Fehlt die Angabe, ändert das nichts daran, wer die Steuer schuldet.

Anders als bei gewöhnlichen Eingangsrechnungen entsteht die Steuer nach § 13b Abs. 2 UStG mit Ausstellung der Rechnung, spätestens aber mit Ablauf des Kalendermonats, der auf die Ausführung der Leistung folgt. Eine verspätete Rechnung verschiebt die Steuer also höchstens um einen Monat.

§ 13b UStG oder Bauabzugsteuer nach § 48 EStG?

  • Beispiel ohne Freistellungsbescheinigung: Eine GmbH, die sechs Wohnungen steuerfrei vermietet, erhält von einem Handwerker eine Rechnung über 50.000 Euro zuzüglich 9.500 Euro Umsatzsteuer. Gegenleistung ist das Entgelt zuzüglich Umsatzsteuer (§ 48 Abs. 3 EStG), einzubehalten sind 15 Prozent von 59.500 Euro, also 8.925 Euro.
  • Buchung bei Zahlung: Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 59.500 Euro an Bank 50.575 Euro und an Verbindlichkeiten an das Finanzamt aus abzuführendem Bauabzugsbetrag (SKR03 1749, SKR04 3726) 8.925 Euro.
  • Wer nicht mehr als zwei Wohnungen vermietet, muss für Bauleistungen an diesen Wohnungen keinen Steuerabzug vornehmen (§ 48 Abs. 1 Satz 2 EStG).

Beide Regeln betreffen Bauleistungen, verfolgen aber verschiedene Zwecke: § 13b UStG sichert die Umsatzsteuer, § 48 EStG die Ertragsteuer des leistenden Unternehmers. Sie können nebeneinander greifen und sind getrennt zu prüfen.

Wechsel der Steuerschuldnerschaft und Bauabzugsteuer im Vergleich
Merkmal§ 13b UStG§ 48 EStG
Wer muss handeln?Auftraggeber, der selbst nachhaltig Bauleistungen erbringtJeder Auftraggeber, der Unternehmer ist, und juristische Personen des öffentlichen Rechts
Was ist zu tun?Umsatzsteuer selbst anmelden und als Vorsteuer abziehen15 Prozent der Gegenleistung einbehalten, anmelden und abführen
Entfällt, wennder Auftraggeber nicht nachhaltig Bauleistungen erbringteine gültige Freistellungsbescheinigung vorliegt oder die Gegenleistung im Kalenderjahr voraussichtlich 5.000 Euro nicht übersteigt (15.000 Euro bei ausschließlich steuerfreier Vermietung)
FristVoranmeldung des Zeitraums, in dem die Steuer entstehtBis zum zehnten Tag nach Ablauf des Monats der Zahlung (§ 48a Abs. 1 EStG)

So läuft der Fall in unserer Software

  • Die Nettorechnung mit dem Hinweis auf den Wechsel der Steuerschuldnerschaft laden Sie hoch; die KI erkennt den fehlenden Steuerausweis und schlägt den passenden Steuerschlüssel vor.
  • Über den Steuerschlüssel entstehen Umsatzsteuer und Vorsteuer nach § 13b UStG gemeinsam und landen beide in der Voranmeldung.
  • Buchungen mit Wechsel der Steuerschuldnerschaft werden in der Bankansicht ausdrücklich markiert und zur Bestätigung angeboten, statt still durchzulaufen.
  • Ausgangsrechnungen mit dem Hinweistext erstellen Sie im selben Arbeitsbereich, als PDF oder als E-Rechnung.
  • Die Umsatzsteuervoranmeldung entsteht aus den gebuchten Werten; den aktuell verfügbaren Einreichungsweg zeigt die Anwendung im Verfahren.

Typische Fehler bei § 13b

  • Der Auftragnehmer weist Umsatzsteuer aus, obwohl die Steuerschuld übergeht – er schuldet sie dann zusätzlich bis zur Berichtigung.
  • Der Auftraggeber bucht nur den Nettoaufwand und meldet die Umsatzsteuer nach § 13b UStG gar nicht an.
  • Die Zehn-Prozent-Grenze wird auf den Inlandsumsatz statt auf den Gesamtumsatz bezogen.
  • Eine Freistellungsbescheinigung nach § 48b EStG wird als Nachweis für den Übergang der Steuerschuld verwendet.
  • Das Verfahren wird als Wahlrecht behandelt und je nach Vertragspartner unterschiedlich angewendet.

Häufige Fragen

Gilt § 13b UStG auch für kleine Handwerksbetriebe?

Ja, die Regelung kennt keine Umsatzgrenze nach unten. Entscheidend ist allein, ob der Leistungsempfänger selbst nachhaltig Bauleistungen erbringt, wovon bei mindestens 10 Prozent Anteil am Gesamtumsatz auszugehen ist.

Was mache ich, wenn ich unsicher bin, ob die Steuerschuld übergeht?

Klären Sie es vor der Rechnungsstellung mit dem Vertragspartner und lassen Sie sich die Bescheinigung USt 1 TG vorlegen. Handeln beide Seiten übereinstimmend, greift eine Vertrauensschutzregelung, sofern kein Steuerausfall entsteht.

Muss die Rechnung einen bestimmten Hinweis enthalten?

Ja. Der leistende Unternehmer weist nur den Nettobetrag aus und muss darauf hinweisen, dass der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer schuldet. Ein Steuerausweis wäre ein unberechtigter Ausweis.

Wie buche ich eine Anzahlung auf eine Bauleistung?

Die Steuerschuld entsteht bereits mit der Anzahlung. Umsatzsteuer und Vorsteuer nach § 13b UStG werden also im Zeitpunkt der Zahlung erfasst, nicht erst mit der Schlussrechnung.

Gilt dasselbe für Gebäudereinigung?

Die Systematik ist vergleichbar, der Tatbestand aber eigenständig geregelt und an eine eigene Bescheinigung geknüpft. Bauleistung und Gebäudereinigung dürfen deshalb nicht über einen Kamm geschoren werden.

Quellen und Rechtsstand

Primärquellen für die zentralen Aussagen dieser Seite. Öffnen Sie im Zweifel immer die aktuelle Fassung.

Vom selben Anbieter: KI in der Buchhaltung – der Leitfaden auf jahresabschluss.io.