Prognose mit KI
Prognosebericht mit KI vorbereiten: von der Planung zur verantworteten Aussage
Eine KI kann eine freigegebene Erwartung verständlich formulieren. Sie kann der Geschäftsführung jedoch nicht die Entscheidung abnehmen, welche Entwicklung sie auf welcher Grundlage erwartet. Der Schwerpunkt dieses Leitfadens liegt deshalb auf der Vorbereitung von Planungsdaten und Szenarien sowie auf deren kontrollierter Übertragung in den Prognosebericht.
Stand: 2026-10-22
Prognoseerstellung und Prognoseformulierung unterscheiden
Die Planung beschreibt, welche Entwicklung das Unternehmen unter bestimmten Voraussetzungen erwartet. Die Formulierung erklärt diese Erwartung für die Leser des Lageberichts. Wenn beide Aufgaben in einer offenen KI-Anfrage vermischt werden, kann das Modell eine überzeugende Zukunftsgeschichte erzeugen, ohne dass diese jemals unternehmensintern beschlossen wurde. Trennen Sie deshalb Planungsfreigabe und redaktionellen Auftrag.
§ 289 HGB verlangt die Beurteilung und Erläuterung der voraussichtlichen Entwicklung mit wesentlichen Chancen und Risiken sowie die Angabe zugrunde liegender Annahmen. Für die praktische Ausgestaltung bietet DRS 20 einen fachlichen Bezug; der Konzernstandard empfiehlt eine entsprechende Anwendung auf den Einzel-Lagebericht. Seine Verwendung macht aus einer ungeprüften Prognose aber keine verlässliche Unternehmensplanung.
Definieren Sie vor der Textarbeit den Umfang. Welche Leistungsindikatoren sind für Ihr Unternehmen bedeutsam? Welche Erwartungen sind ausreichend abgestimmt? Wo besteht noch eine Entscheidungslücke? Die KI sollte nicht aus der Länge Ihrer Unterlagen ableiten, welche Kennzahl wichtig ist. Diese Auswahl folgt der tatsächlichen Steuerung und der verantworteten Beurteilung des Unternehmens.
Ein Annahmenregister als Arbeitsgrundlage
Führen Sie die wesentlichen Annahmen in einer gemeinsamen Übersicht. Neben ihrer Beschreibung gehören die verantwortliche Stelle, die zugrunde liegende Information und der Status hinein. Unterscheiden Sie bestätigte Annahmen von noch zu prüfenden Varianten. Eine Information aus einem Verkaufsgespräch hat einen anderen Stellenwert als ein verbindlicher Auftrag, auch wenn beide denselben erwarteten Umsatz betreffen.
Verknüpfen Sie jede Annahme mit den betroffenen Indikatoren. Eine Änderung der Absatzmenge kann Umsatz, Ergebnis und Mittelbedarf gleichzeitig beeinflussen. Der Text darf diese Zusammenhänge nur in dem Umfang beschreiben, in dem sie durch Ihre Planung getragen werden. Die KI muss keine eigenen Ursache-Wirkungs-Ketten ergänzen, um eine vollständiger klingende Erläuterung zu erzeugen.
Kennzeichnen Sie außerdem den zeitlichen Bezug. Eine Preisänderung zum Jahresbeginn wirkt anders als eine Änderung gegen Jahresende. Ohne diese Information kann ein sprachlich korrekter Absatz die wirtschaftliche Bedeutung falsch vermitteln. Das Register hilft, solche Details in der Planung und im Bericht konsistent zu halten, ohne sämtliche internen Berechnungen öffentlich darzustellen.
| Feld | Was Sie festhalten | Wozu es dient |
|---|---|---|
| Annahme | Konkrete erwartete Entwicklung | Verhindert eine bloße Überschrift ohne Inhalt |
| Grundlage | Planungsunterlage oder bestätigte Information | Macht die Herkunft nachvollziehbar |
| Betroffene Kennzahl | Umsatz, Ergebnis oder anderer Indikator | Verbindet Annahme und Berichtsaussage |
| Zeitraum | Wirksamkeit und Prognoseperiode | Vermeidet zeitliche Vermischung |
| Status | Bestätigt, Variante oder noch offen | Grenzt die freigegebene Erwartung ab |
| Verantwortung | Zuständige Funktion und Freigabestand | Ermöglicht gezielte Rückfragen |
Prognosegenauigkeit vor dem Schreiben festlegen
DRS 20.128 bis 130 knüpft die Prognose an die erwartete Veränderung gegenüber dem Ist-Bezugswert und unterscheidet Richtung und Intensität. Punkt-, Intervall- und qualifiziert-komparative Prognosen sind dafür die üblichen Formen. Eine reine Richtung oder allgemeine Qualitätsaussage genügt diesem normalen Maßstab nicht. Der Prognosezeitraum ist nach DRS 20.127 zu benennen und umfasst grundsätzlich mindestens ein Jahr ab dem Abschlussstichtag.
Übertragen Sie diese Begriffe in ein eindeutiges Eingabeformat. Für jeden Indikator benötigen Sie seine Definition, den bestätigten Istwert, den Zeitraum und die freigegebene Erwartung. Wenn die Geschäftsführung eine Bandbreite verwendet, übernimmt die KI genau diese Bandbreite. Sie darf sie weder verengen, weil dies präziser klingt, noch ohne Entscheidung in eine qualitative Formulierung umwandeln.
Auch sprachliche Intensitäten müssen verantwortet sein. Ein leichter Rückgang und ein deutlicher Rückgang sind keine stilistischen Varianten derselben Aussage. Verwenden Sie intern eine abgestimmte Bedeutung und prüfen Sie, ob sie zu Ihren Planungsunterlagen passt. Eine nachträglich allein von der Redaktion festgelegte Wortwahl kann die tatsächliche Erwartung verändern.
Szenarien strukturieren, ohne eine Prognose zu erfinden
Ein Szenario variiert bestimmte Annahmen, damit deren Auswirkungen sichtbar werden. Halten Sie fest, welche Annahmen wechseln und welche gleich bleiben. Ohne diese Trennung lässt sich ein unterschiedliches Ergebnis nicht sinnvoll erklären. Eine KI kann dabei helfen, die Varianten verständlich gegenüberzustellen; die Berechnung und fachliche Bewertung müssen aus Ihrer Planungsarbeit stammen.
Verwenden Sie Szenarien nicht automatisch als Ersatz für eine konkrete Erwartung. DRS 20.133 behandelt besondere Fälle außergewöhnlich hoher gesamtwirtschaftlicher Unsicherheit und wesentlich beeinträchtigter Prognosefähigkeit. Die Voraussetzungen und ihre Auswirkungen müssen dabei erläutert werden. Eine allgemeine Aussage, die Zukunft sei unsicher, begründet diesen Sonderfall noch nicht.
Für die interne Arbeit können zusätzliche Varianten dennoch nützlich sein. Kennzeichnen Sie klar, welche Variante nur eine Sensitivitätsbetrachtung darstellt und welche Aussage die Geschäftsführung im Bericht vertreten will. Der KI-Auftrag sollte diese Entscheidung ausdrücklich enthalten. Andernfalls kann das Modell aus mehreren gleichrangig vorgelegten Varianten eigenständig einen Mittelweg formulieren, der in keiner Planung vorkommt.
Ein Beispiel für die Übergabe an die Textgenerierung
Stellen Sie sich eine rein fiktive Planung vor, in der der Umsatz des Berichtsjahres 20 Mio. € beträgt und die freigegebene Erwartung für das Folgejahr zwischen 21 und 22 Mio. € liegt. Rechnerisch entspricht dies einer Zunahme von 5 bis 10 %. Diese Werte sind ausschließlich ein Rechenbeispiel und keine typische Branchenentwicklung. Für einen echten Bericht setzen Sie Ihre eigenen bestätigten Werte ein.
Die Eingabe sollte zusätzlich erklären, welche Annahmen die Bandbreite tragen. Fehlt diese Erklärung, bleibt sie als offene Aufgabe stehen. Der Assistent darf etwa nicht selbst behaupten, neue Kunden oder höhere Preise seien der Treiber. Selbst eine wirtschaftlich naheliegende Ursache wird erst durch die Planungsunterlagen zur verwendbaren Grundlage des Unternehmensberichts.
Verlangen Sie als Ergebnis den Entwurf und eine Zuordnung jeder Prognoseaussage zum jeweiligen Planungseintrag. Prüfen Sie diese Zuordnung selbst. Kontrollieren Sie insbesondere, ob der Zeitraum erhalten blieb, der Istwert nicht mit dem Vorjahr verwechselt wurde und die Bandbreite unverändert erscheint. Die rechnerische Übereinstimmung allein deckt diese sprachlichen Zuordnungsfehler nicht ab.
Konsistenz mit anderen Teilen des Abschlusses prüfen
Prognoseannahmen stehen selten isoliert. Dieselbe Planung kann bei Bewertungen, Finanzierungsüberlegungen und der Beurteilung der Unternehmensfortführung relevant sein. Stimmen Sie daher ab, ob im Lagebericht dieselben wesentlichen Prämissen verwendet werden. Wenn unterschiedliche Zwecke eine Abweichung erklären, muss diese intern nachvollziehbar sein; die KI kann eine solche Differenz nicht eigenmächtig auflösen.
Vergleichen Sie den Ausblick außerdem mit dem Risikobericht. Ein dort als wesentlich beschriebenes Ereignis darf im Prognosetext nicht unbeabsichtigt als ausgeschlossen erscheinen. Umgekehrt muss ein im Ausblick unterstellter positiver Effekt zu den beschriebenen Chancen passen. Entscheidend ist eine konsistente Sicht der Geschäftsführung, nicht eine künstlich einheitliche Wortwahl aller Abschnitte.
Prüfen Sie schließlich den Rückblick auf frühere Prognosen. Die damalige Erwartung ist von der aktuellen Zukunftsplanung getrennt zu halten. Für den Prognose-Ist-Vergleich benötigen Sie den ursprünglichen Wortlaut und eine passende tatsächliche Entwicklung. Ein fehlender Vergleich darf nicht dadurch verdeckt werden, dass die KI einfach das Vorjahr mit dem Berichtsjahr vergleicht.
Überarbeitungen nach einer Planungsänderung steuern
Ändert sich eine entscheidende Annahme, legen Sie zuerst den neuen Planungsstand fest. Markieren Sie dann alle betroffenen Berichtsaussagen. Dazu können nicht nur Zahlen, sondern auch Aussagen zu Finanzierung, Risiken und Gesamterwartung gehören. Eine vollständige Neugenerierung ohne anschließenden Vergleich kann bereits bestätigte Differenzierungen wieder verlieren.
Geben Sie der KI einen begrenzten Änderungsauftrag: Welche Annahme wurde ersetzt, welche Werte gelten nun und welche Passagen dürfen überarbeitet werden? Verlangen Sie eine Gegenüberstellung der alten und neuen Aussage. Diese Arbeitsunterlage erleichtert die erneute Freigabe, weil sichtbar bleibt, ob sich lediglich ein Betrag oder auch die wirtschaftliche Einschätzung verändert hat.
Bei der Abnahme lesen Sie den Abschnitt abschließend ohne Kenntnis der internen Diskussion. Kann ein außenstehender Leser erkennen, was erwartet wird, worauf die Erwartung beruht und welche Unsicherheit besteht? Ein Text, der nur für die Beteiligten des Planungsprozesses verständlich ist, erfüllt seinen Kommunikationszweck noch nicht.
Prognosevorbereitung in lagebericht.io
- Kennzahlen stammen aus der Berechnung anhand zugeordneter Finanzdaten; der Textentwurf lässt sich abschnittsweise bearbeiten.
- Die Durchsicht umfasst feste Regeln, KI-Hinweise und den Abgleich erkannter Zahlen, ohne eine vollständige inhaltliche Prüfung zu garantieren.
- Kommentare und Freigaben unterstützen die Abstimmung zwischen Finanzleitung und Geschäftsführung.
lagebericht.io formuliert den Ausblick aus Ihren Antworten und den bereitstehenden Finanzdaten. Erwartungen und Annahmen müssen Sie selbst angeben; das Sprachmodell ist angewiesen, fehlende erforderliche Angaben zu markieren. Ein offener Prognose-Ist-Vergleich wird als [BITTE ERGÄNZEN] kenntlich gemacht und nicht automatisch berechnet. Die fachliche Wahl und Beurteilung Ihrer Prognose bleibt bei der Unternehmensleitung.
Häufige Fragen
Kann KI aus dem bisherigen Umsatz eine Prognose ableiten?
Eine rechnerische Fortschreibung ist noch keine verantwortete Unternehmensprognose. Für den Lagebericht brauchen Sie eigene Annahmen und eine bestätigte Erwartung, die der Text anschließend erläutert.
Darf die KI die Prognosebandbreite enger formulieren?
Eine engere Bandbreite ändert den Aussagegehalt. Lassen Sie solche Änderungen nur nach einer fachlichen Entscheidung zu und gleichen Sie sie mit der Planung ab.
Sind mehrere Szenarien immer ausreichend?
Mehrere Varianten allein erfüllen nicht automatisch die Anforderungen an den Prognosebericht. Prüfen Sie, welche Aussage berichtet wird und ob die Voraussetzungen einer besonderen Unsicherheitssituation tatsächlich vorliegen.
Wie viel interne Planung muss veröffentlicht werden?
Der Bericht soll die wesentliche Erwartung und ihre Grundlagen verständlich erläutern. Die Auswahl der dafür erforderlichen Angaben verlangt eine fachliche Beurteilung; vollständige interne Rechenunterlagen müssen nicht allein wegen des KI-Einsatzes zum Berichtstext werden.
Was passiert bei einem fehlenden Ist-Bezugswert?
Klären Sie den Vergleichswert und die Definition des Indikators vor der Freigabe. Ein Platzhalter ist eine sinnvolle Zwischenlösung, aber kein fertiger Prognoseinhalt.
Wo finde ich konkrete Prognoseformulierungen?
Der gesonderte Leitfaden zu Prognosebericht-Formulierungen behandelt die sprachlichen Formen. Hier liegt der Schwerpunkt auf den Daten und Entscheidungen, die vor einer solchen Formulierung feststehen müssen.
Quellen und Rechtsstand
Primärquellen für die zentralen Aussagen dieser Seite. Öffnen Sie im Zweifel immer die aktuelle Fassung.
- § 289 Abs. 1 HGB — Voraussichtliche Entwicklung und Annahmen
- DRSC: Status und Änderungen von DRS 20 — Konzernstandard mit Empfehlung zur entsprechenden Anwendung
- DRSC: öffentliches DRS-20-Dokument — Historische Fassung von 2012, Tz. 127–133 zur Prognoseform; nicht die vollständige aktuelle Standardausgabe
Ihre Erwartungen nachvollziehbar ausformulieren
Bereiten Sie den Prognoseabschnitt mit Ihren Angaben, berechneten Bezugswerten und gemeinsamer Durchsicht vor.
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